| Stefan Zeiler | |||||
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| Malerei | • | Text | • | Film | |
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Kinofilm, ca. 100 Minuten; Genre: Liebesdrama
Synopsis Eine moderne Orpheusgeschichte. Dem Deutschrumänen Martin ist seine Freundin abhanden gekommen. Er sucht sie in München, wo sie sich vermutlich aufhält. Martins Suche gestaltet sich schwierig. Seine Suchanzeigen werden entfernt. Ein Termin in einem großen Unternehmen endet für ihn ergebnislos. Seine Freundin Christina ist der Einladung des Fotografen Alex gefolgt, der sie als Model entdeckt hat und sie zugleich als Frau umwirbt. Alex´ Schwester ist Viola, die Martin kennen gelernt hat und mit der er viel spazieren geht. Bei einem Ausflug der beiden erkennt Viola von einem Hügel aus, als sie durch ein Fernrohr eine Menschenansammlung beobachtet, ihren Bruder Alex und Martin erkennt Christina, und daß die beiden ein Paar sind. Plötzlich wird Christina in einem Handgemenge zu Boden gestoßen. Bei dem Versuch, zu ihr zu gelangen, überquert Martin die Autobahn... Personenbeschreibung MARTIN (Pfleger in einem Kinderheim) 36 Jahre alt. Ein für seine schlanken Glieder etwas zu großer Mann, der sich seltsam gemessen bewegt. Sein Blick geht immer etwas nach unten. Die Kiefer sind kräftig, die Lippen voll, der Mund leicht geöffnet. Ein Schatten liegt über seinem Gesicht, der das starke Strahlen seiner tief liegenden Augen eher günstig abmildert. Auf Wiesen fühlt er sich wohl. In der Stadt wirkt er verloren. Man spürt an seinem Gang, seiner Stimme, daß seine Situation eine schwierige und vielleicht überhaupt nicht zu lösende ist. Er ist unscheinbar gekleidet, in billigen Stoffen, die Schuhe sind alt, das Hemd hängt zum Teil über die Hose. Der Vater stirbt, als er 5 ist, ein Arzt, der sich wie alle Ärzte (und wie fast alle Rumänen) mit Korruption über Wasser hält. Martin denkt nur gut von ihm. Die Mutter zieht den Jungen auf und heiratet nicht wieder. Martin geht auf die Lenauschule, ein deutsches Gymnasium in Temesvar und beginnt nach der Revolution (´89) Medizin zu studieren. Er schließt sich nicht der unmittelbar darauf folgenden Auswanderungswelle an, weil er die Mutter nicht im Stich lassen will. Als er 26 ist und sein Studium fast beendet hat, stirbt die Mutter, er verfällt in Schwermut und schafft den Abschluss nicht. Nach zwei Jahren fängt er sich wieder und beginnt erneut zu studieren, Frühgeschichte und Philosophie. Zur Zeit hat er eine Stelle in einem Kinderheim, wo er sich um die Verpflegung kümmert, aber auch medizinisch tätig ist, weil nur selten ein Arzt bereit ist, unentgeltlich ein Kind zu behandeln. Es sind hauptsächlich Romakinder, meist absichtlich verstümmelt, elternlos, unterernährt. Das “deutsche Geldgeklingel” - ein geläufiger Ausdrücke von ihm - bekommen die Donauschwaben zu hören, die in großer Zahl ausgewandert sind und ab und zu die Heimat besuchen. Gleichwohl bestellt er bei ihnen Bücher, die er sich freilich am liebsten schenken läßt. Er besitzt über 1000 Bücher, und besucht, soweit es ihm möglich ist, jedes Jahr die moldawischen Kirchen (deren Außenwände bemalt sind), obwohl er kein gläubiger Christ ist. Seine Liebe zu Christina erlebt er als unerklärliche Hitze in einer kühlen Jahreszeit. Er hat so noch nie geliebt. Es ist das reale Glück. Es zerplatzt wie alles, was er schön, wertvoll und erhaltenswert findet. Daß alles Schöne verschwinden muss, ist auch das bittere Fazit einer rumänischen Biografie. Seine Trauer macht ihn stark, aber auch unbesonnen. CHRISTINA (Informatikstudentin) Sie ist 24, ein zierliches Wesen, biegsam und
schön. Der Vater, aus ungarischen Familie, hat eine Deutschschwäbin
geheiratet und sich in der Stadt Klausenburg ein altes Haus bewahren
können, dafür allerdings fast sein gesamtes Vermögen
für Schmiergelder ausgeben. Christina ist einen gewissen, wenn
auch bescheidenen, Lebensstil gewohnt und hat nicht vor sich an einen
Mann “unter Wert” zu verkaufen. Da sie keinen Studienplatz
in Klausenburg bekommen hat, ist sie an die Universität nach Temesvar
gegangen, wo sie Martin kennen gelernt hat. Dort, fern der Eltern -
der Vater war streng - , hat sie ihrer “unvernünftigen”
Liebe zu Martin nachgegeben, obwohl er völlig mittellos ist und
auch keine Aussicht auf beruflichen Erfolg hat. VIOLA (Sozialpädagogikstudentin) Sie ist 28 Jahre, klein, hat ein frisches Aussehen, trägt eine Lederjacke und Jeans. Sie tendiert zur Rundlichkeit, ist aber keineswegs dick. Sie sieht jünger aus, als sie ist. Ihre Haare trägt sie meistens so, wie sie gerade fallen, wirr durcheinander. Äußerlich unscheinbar ist sie doch liebenswert, offen, charmant, so daß man sie mögen muss. Sie hat einen “Vaterkomplex”, der sich in einem ungewöhnlichen pädagogischen Ehrgeiz äußert, s i e will sozusagen belehren, nachdem sie genug belehrt worden i s t. Sie hat aus diesem Grund auch Mühe zu studieren, weil sie sich schwer einem Lehrstoff, einem Lehrer unterordnen kann. Gleichwohl fühlt sie die “natürliche” Autorität von Martin, hält ihn für hochbegabt (was nur zum Teil zutrifft), und wertet sich auf mit dieser “Entdeckung“. Außerdem liebt sie ihn möglicherweise. Sie kommt aus einer engstirnigen Familie, hat einen magenoperierten Vater, der Finanzbeamter war und sie gequält hat mit seiner kleinbürgerlichen Erziehung, die allerdings so ungeschminkt geistlos war, daß sie ihr Ziel, einen farblosen Menschen aus ihr zu machen mit unterwürfigen Umgangsformen, um nicht Weniges verfehlt hat. Es war für sie nicht sehr schwer, diesen Ballast abzuschütteln und sich auf das Leben als ein Abenteuer einzulassen. Sie ist die Schwester von Alex. ALEX (Fotograf, Artdirector bei NET.COM) 30, Dunkler Teint wie aus dem Urlaub, schlank, beweglich, groß, männlich, weite Bewegungen mit den Armen, sein Gesicht “denkt” nicht, sondern kommuniziert permanent mit hellwachen Blick und lächelndem Mund. Ohren sind die eines Rehs. Er trägt sportliche Markenkleidung, aber auch fallweise dunkle Anzüge mit einem dunklen Sweatshirt, in denen er sich sehr locker bewegt. So mühelos - von außen gesehen - er durch den beruflichen Alltag kommt, immer humorvoll, immer agil, lässig alle Termine bewältigend, so sehr tut er sich schwer im Privaten. Er lebt zwar ungern allein und lässt sich auch jeweils auf die Frau ein, mit der er zusammen lebt, doch er hat keine glückliche Hand, was die Wahl seiner Frauen betrifft. Er hat einen Sohn, der 9 ist und den er alle drei Wochen sieht. Als Erstgeborenen u n d Sohn hat ihn der Vater privilegiert. Viola trägt es weder dem Vater noch ihrem Bruder nach. Das Verhältnis zwischen Viola und Alex war immer ein Naheverhältnis, auch wenn sie andere Wege gehen, was ihre Lebensauffassung betrifft. DIREKTOR (NET.COM) Groß, breitschultrig, elegant, ein “Global Player“, nicht in Ressentiments befangen. Als Geschäftmann integer. Sein Motto bei allen Entscheidungen: die menschlich vertretbare Lösung. Er hat zwei Brüder, die ebenfalls an der Spitze großer Unternehmen tätig sind. SEKRETÄRIN (Chefsekretärin bei NET.COM) Groß, so groß, daß ihre Haltung ein wenig gebückt und müde wirkt. Schön wie ein trauernder, römischer Kopf. Eine leise, stille Frau, die Martin zugetan ist, aber nichts für ihn machen kann. Beschreibung der Schauplätze MÜNCHEN Stadt ohne imperiales Gepränge, von Landschaft
umgeben, sauber, wohlhabend, mit einer durchaus typischen Bauplastik
grobkörniger Steinfiguren, die nicht unpoetisch sind. Brücken
über einen Gebirgsfluss, der manchmal glasklar, manchmal, bei Hochwasser,
schaumig kaffeebraun und von ungeheurer Gewalt ist. DER SCHLOSSPARK Begegnungsort von Göttern und Menschen, Krähen und Schwänen, Skulptur und Natur, Blumenrabatten und Wolkenhimmeln. Eine Bühne, die alles beinhaltet, alles voraussagt, nichts auflöst. Ein Refugium für die Menschen. Es wird am Ende geschlossen. DIE HEIDE Eine Landschaft, die man in der Nähe einer
Stadt nicht erwarten würde. Der totale Gegensatz zur urbanen, “errechneten”
Landschaft. Obwohl sie völlig flach ist, wirkt sie wild, urtümlich,
als könnte man hier Löwen begegnen. Ihre Schönheit wühlt
auf. NET.COM, UNTERNEHMENSZENTRALE Vor allem der Innenhof spektakulär. Postmoderne Stangensysteme versperren biedermeierliche Fassaden. NET.COM ist das Zentrum des Hades, aber kein Ort des Bösen, im Gegenteil. Hier werden die Schatten verwaltet, man ist ihnen gut, doch es gibt eine Grenze, wer drin ist kann nicht zurück. (E.on Zentrale, Briennerstraße) DER MÜLLBERG Ein künstlicher Berg aus Müll, mit Wegen und Wiesen und Schaukeln und Bänken zum Erholungsgebiet befördert. Neben dem Weg zum flachen “Gipfel”, wo ein großes Windrad steht, Schilder: Vorsicht - Deponiegas!, mit durchgestrichenem Streichholz. Um den Müllberg herum Gebüsch, die Kühltürme eines Kraftwerks, die Autobahn, jenseits der Autobahn das Stadion - alles spielzeughaft und neu, als könnte man die Dinge verschieben und auch irgendwo anders hinstellen. Weiter weg ein Autobahnkreuz. Unter dem Windrad ein fest installiertes Fernrohr, mit dem man bis hinter das Stadion schauen kann.
Fünf Auszüge aus der ausgeschriebenen Filmgeschichte ORPHEUS Einleitung Temesvar, Rumänien. Innenstadt. Strahlende Sonne. Es sind ziemlich viele Menschen unterwegs. Gesund aussehende, gut angezogene wechseln mit mageren und verwahrlosten. Alex geht durch eine Straße. Er folgt einer Frau mit lagen, blondem Haaren, man sieht sie nur von hinten. Die Haare der Frau bewegen sich wellenförmig im Takt ihrer Schritte. Alex hält Abstand von einigen Metern und hat eine Kamera in der Hand. An einer Kreuzung ohne Ampel wartet die Frau. Ein Pferdefuhrwerk quert die Kreuzung, auf dem Kutschbock kein Kutscher. Als das Fuhrwerk vorbei fährt, sieht man auf der Ladefläche einen Bauern, der auf leeren Säcken schläft. Die Frau geht weiter, Alex folgt ihr. Sie hat keine große Eile. An einem runden Brunnen setzt sie sich auf den Rand, wirft ihr Haar in den Nacken, schließt die Augen und sonnt ihr Gesicht. Alex schießt von ihr ein Foto, ohne daß sie es bemerkt. (Musik: Ah! se intorno a quest´ urna funesta,
Chor/Orfeo) Abend. Der Zug steht. Die Bauern sind weg, stattdessen städtisch gekleidete Fahrgäste. Ein Zollbeamter betritt das Abteil. Er verlangt Pässe und fragt die einzelnen Fahrgäste nach ihrem Gepäck (ungarisch). Er fragt Martin nach seinem Koffer und fordert ihn auf ihn zu öffnen. Martin hebt den Koffer herunter und öffnet ihn. Etliche Bücher liegen zu oberst, fast alle mit deutschen Titeln: Thrakien, Die Seidenstraße, Ein Buch von Herta Müller “Der Mensch ist ein großer Fasan auf der Welt“, Ovids Metamorphosen, ein Textbüchlein zu Glucks Oper Orpheus und Eurydike, ein veralteter und zerlesener Reiseführer für Bayern. Der Zöllner mustert die Bücher und hebt Kleidungsstücke hoch. Was der Grund seiner Einreise sei, will der Beamte wissen. Martin sagt Germania und zeigt auf den Reiseführer. Der Zöllner will die Fahrkarte sehen. Sein Pass wird indessen von einem anderen Zöllner geprüft. Während der Zöllner die Fahrkarte prüft, wird Martin vom Hund des Zöllners fixiert. Martin schaut ihm in die Augen. Der Hund beginnt zu knurren, hält jedoch dem traurig müden Blick von Martin nicht stand und wendet sich winselnd ab. Der Zöllner gibt Martin die Fahrkarte und den Pass zurück und verlässt mit dem Hund das Abteil. Nacht. Im Abteil. Martin hat das Buch auf den
Knien, in das er nur selten hineinschaut, weil er sich nicht auf den
Text konzentrieren kann. Auch zu schlafen gelingt ihm nicht. Er verlässt
das Abteil, möglichst ohne an den Knien der schlafenden Männer
anzustreifen, die jetzt in seinem Abteil sind, geht auf den Gang und
öffnet ein Fenster. Er streckt den Kopf in den Fahrtwind. Auch
wenn er draußen kaum was erkennen kann, sieht er vereinzelten
Lichtern nach oder einer beleuchteten Straße oder einer Wasserfläche,
die ein trübes Licht reflektiert. Martin öffnet seinen Mund,
doch der Luftstrom läßt sich nicht atmen. Einmal kann Martin
den Anfang des Zuges sehen und ein grünes Signal zeigt an, daß
der Zug freie Fahrt hat. Das Rattern des Zuges, der stechende Wind und
die ungemütliche Dunkelheit zwingen ihn schließlich, das
Fenster zu schließen. Er schaut durch das geschlossene Fenster,
dann fällt sein Blick in sein Abteil zu den drei schlafenden Männern,
die vom Zug hin- und herbewegt werden, ohne davon aufzuwachen. Er schaut
den Gang entlang. Am Ende des Ganges steht eine Frau, die mit ihrem
Handy beschäftigt ist. Als sie eine Verbindung herstellt, dreht
sie Martin den Rücken zu und öffnet ihre Haare, die sie als
Knoten hochgesteckt trägt. Sie hat langes, blondes Haar. Martin
schaut lang in ihre Richtung. Die Männer im Abteil schlafen, einem
steht der Mund weit offen. Martin öffnet wieder das Fenster. In
dem Moment rast ein Zug aus der Gegenrichtung vorbei. Sofort schließt
Martin wieder das Fenster.
Im Schlosspark. Vormittag. Junge Familien gehen spazieren, auch etliche Touristen. Ein Jogger dreht seine Runden. Ein Brautpaar lässt sich fotografieren, läuft dazu in den Schatten der Bäume. Martin schaut dem Brautpaar zu, wie es sich in Positur stellt, die Frau an den Mann geschmiegt. Die Pose wirkt gekünstelt. Die Götterfiguren entlang der Beete scheinen ihm nachzublicken, während er die Menschen beobachtet, als suche er jemand Bestimmten. Martin verweilt auf einer Brücke über
einen Seitenkanal. Martin am künstlichen Wasserfall, der von
Götterstatuen umgeben ist. Er schreitet die Reihe der Statuen ab,
die von teils theatralisch düsterem, teils, in ihrer frivolen Aufmachung,
von ungewollt komischem Ausdruck sind. Die letzte Figur ist Pallas Athene,
die einen Schenkel entblößt hat: ein Strumpfband ist zu sehen.
Ein verspielter Brustpanzer lässt eine der Brüste frei. Sie
blickt über Martin hinweg, mit merkwürdig riesigen Augen unter
einem pompösen Helm. Auf einer Bank zwei Frauen undefinierbaren Alters,
die trotz der Hitze Fuchs- und Marderstolas tragen und Martin feixend
beobachten. Sie essen ein Fladenbrot, das sie stückweise zerreißen.
Während Martin die Skulptur betrachtet und den Frauen den Rücken
zuwendet, hebt eine der beiden Frauen einen Kiefernzapfen vom Boden
auf und wirft ihn in Martins Nähe.
In der Zentrale des Handynetzbetreibers NET.COM. Das Büro des Direktors. Alex breitet Fotos
auf dem Schreibtisch des Direktors aus. Es geht um den Einstieg des
Unternehmens in das Providergeschäft. Man wird künftig auch
einen Funk-Internetzugang anbieten und dazu das vorhandene eigene Handymastennetz
nutzen. Der Direktor ist euphorisch. Es bestünden gute Chancen
innerhalb der nächsten Jahre Marktführer zu werden. Alex hat
zwar keinen Auftrag, aber bereits eine Idee für ein schlüssiges
Werbekonzept. Er hat vor Christina als Logo zu verwenden. Sie sei völlig
unverbraucht, habe eine fantastische Ausstrahlung. Er zeigt die Porträtaufnahmen,
Aufnahmen im Minikleid, ein schulterfreies Porträt und Fotos, auf
denen Christina sich an den Stamm eines Baumes schmiegt. Es sind Farb-
als auch Schwarzweißfotos. An Details im Hintergrund sieht man,
daß einige Fotos wohl im Ausland gemacht worden sind (eine alte
Dorfstraße, ein holzgeschnitztes Tor…). Alex sagt, daß
er diese Fotos ganz spontan “unten” gemacht habe, mit einer
alten russischen Kamera, wenn er die nicht dabei gehabt hätte,
hätte er sie aus den Augen verloren… Alex führt weiter aus, die Idee sei ihm
bei dieser Aufnahme gekommen - er zeigt auf das Foto, wo Christina den
Baum umarmt - doch er wolle das Konzept erst mit ihm allein besprechen,
zu viele Köche verdürben den Brei… Die Sekretärin, groß, elegant, im
dunklen Anzug, kommt herein und sieht die Fotos und die Skizze: sie
stellt einen Baum dar, der sehr große Blätter und dazwischen
große “Ohren” und als Spitze eine Antenne hat, die
mit Sendegeräten bestückt ist. Alex zeichnet um den Baum noch
eine Schlange, die einer weiblichen Figur eine Frucht reicht. Die Sekretärin nimmt die Briefe an sich
und verlässt das Büro. Kurz darauf kommt sie wieder, und bringt
dem Direktor das Skizzenblatt, das versehentlich unter die Briefe geraten
ist. Der Direktor dankt ihr kurz. Die Sekretärin weist ihn auf
die Rückseite des Blattes hin. Der Direktor dreht das Blatt um,
schaut es an - und stutzt.
Auf dem Weg in die Oper Abend. Christina und Alex verlassen das Haus.
Alex im dunklen Anzug mit Sweatshirt, sehr elegant, Christina in einem
braven, etwas veralteten Sommerkleid, weiß mit rotem Blumendekor.
Alex sagt, daß sie ihm sehr gefalle in dem Kleid, an ihr werde
es lebendig. Nun, es sei ja schließlich heute ihre erste Oper,
da wolle man schon glänzen, sagt Christina. Alex beißt sich
auf die Lippen. - und von wem komponiert, fragt Christina. Christoph
Willibald von Gluck, sagt Alex. Gluck, sagt Christina, schön. Ob
er eine Blume noch gefunden habe, fragt Christina. Ja, sagt Alex. Was
für eine… Eine gelbe Narzisse, wie sie ihm gesagt habe, sagt
Alex. Christina schweigt. Sie gehen schweigend über eine Steinbrücke,
unter ihnen der dunkle Fluss. Als sie am Ende der Brücke sind,
bleibt Christina plötzlich stehen.
Das Fernrohr Menschen strömen aus dem Stadion. Da sei
grad ein Spiel zu Ende, sagt Viola. Martin betrachtet die Heidelandschaft.
Alex wollte hingehen, einmal sei sie mitgegangen, das habe ihr gereicht,
sagt sie. Martin wandert mit dem kreisförmigen Bildausschnitt des
Fernrohrs vor in die Menschenmenge. Viele Fans sind bunt gekleidet,
in den Farben eines Vereins, und schwenken Fahnen oder Schlangenluftballons. Dann die Kamera vor Ort. Christina fasst
sich an die Stirn. Konfetti regnen nieder. Der Affe schüttelt die
Sektflasche und besprüht damit die Menge. Immer mehr Fans strömen
herbei, schwingen Schals, singen, klatschen. Ein Rauchkörper explodiert
und verbreitet farbigen Rauch. Alex, weit abgedrängt, fokussiert
ein Motiv, wird von jemand angerempelt, sucht sofort ein neues Motiv.
Geschrei, Gesänge, Ratschen. Kriegerisch bemalte, nackte Männeroberkörper.
Fans mit meterhohen Hüten. Eine Fahne an einer Stange wird horizontal
geschwungen. Christina weicht ihr aus. Plötzlich ein Handgemenge
unter gegnerischen Fans. Polizisten eilen herbei, Schlagstöcke
in den Händen. Christina wird umgestoßen und bleibt am Boden
liegen. Eine ausgearbeitete Szene Eine weite Heidelandschaft am nördlichen Stadtrand. Am Ende einer Straße ein sehr kurz gemähtes Rasenstück, ein “Flugplatz” für Modellflugzeuge. Einige Männer stehen herum und lassen motorbetriebene, ferngesteuerte Flugzeuge starten und landen und manövrieren sie durch die Luft. Die Flugzeuge fliegen gewagte Loopings und verursachen ziemlichen Lärm. Viola und Martin da, wo die Straße in eine staubige Feldstraße übergeht, die weit in die Heide hineinführt. Sie betrachten die Flugzeuge, die über ihre Köpfe hinwegsausen oder hoch in den Himmel aufsteigen. VIOLA MARTIN Martin führt Viola auf die
staubige Feldstraße. Er schaut in die weite Landschaft. VIOLA MARTIN VIOLA MARTIN Sie gehen nebeneinander her. In weiter Ferne ist eine kleine Staubfahne zu sehen, die sich über die Heide bewegt. Viola schaut vom Boden auf. VIOLA MARTIN Der Lärm der Flugzeuge ist jetzt leiser, dafür nimmt ein anderes Geräusch zu, ein Dröhnen, das von rechts zu kommen scheint, wo alles mit dichtem Gebüsch bewachsen ist. Links, in der offenen Heide, Schafe.
MARTIN (weist auf eine Abzweigung
nach rechts) Sie biegen in den Seitenweg ein, der in das Gebüsch hineinführt. Das Dröhnen wird immer lauter und ähnelt einer Hundemeute, oder einem Hornissenschwarm, über Lautsprecher verstärkt. MARTIN (zeigt ins Gebüsch) VIOLA MARTIN (mehr zu sich) VIOLA MARTIN (laut) Martin geht voraus, eine ihm bekannte Route. Sie steigen eine Böschung hinauf. Auf der Böschung eine Lichtung. VIOLA (laut) Sie stehen auf der Böschung und schauen auf eine Gokart-Rennbahn, auf der gerade ein Rennen stattfindet. Die Rennbahn ist nicht groß, ihre Kurven sind sehr eng. Zwischen den Kurven Erderhebungen, die einen Teil der Strecke verdecken. Der Lärm ist unerträglich.
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